Alpe d´Huez, Juni 2005

Meine persönliche L´Alpe d´Huez Etappe, Juni 2005.
Streckenlänge 15,5 Km, 1.100 Höhenmeter, 1h33min (Mountainbike!). Ich habe diesen Bericht kurz nach der Zielankunft verfasst, um die Emotionen festzuhalten und wünsche jedem, der diesen Bericht liest, dass er in seinem Leben ähnlich positive Erfahrungen machen darf.

Der erste Anblick des Anstieges in Le Bourg-d´Oisans, dem Ort im Tal, ruft bei mir leichte Beklemmungen hervor, obwohl ich vorher im Harz ausgiebig trainiert habe. Da willst du mit dem Rad rauf? Langsam fahre ich mit dem Auto hinauf. Das Bike noch auf dem Heckträger. Es ist 34° warm und seit Grenoble habe ich das Verdeck geöffnet. Herrlich........

Es sind an diesem Spätnachmittag noch viele weitere Rennfahrer unterwegs. Jede Serpentine der Strasse ist mit einer Tafel markiert. Die erste Kehre unten hat die Nummer 21. Insgesamt 15,5 Km Streckenlänge. Aber das ist nicht die Herausforderung. Diese besteht in den 1.100 Höhenmetern, woraus sich eine permanente Steigung von 8 - 10% ergibt.

Ankunft aus Bremen in Frankreich Hotel inHuez, auf halber Höhe Hier geht es hinauf Morgens am Start.

Mit dem Auto oben angekommen weiß ich nicht so recht, was ich darüber denken soll. Mir geistern alle möglichen Zahlen durch den Kopf. Marco Pantani 36 Minuten, Armstrong 39 Minuten....... naja.

Am nächsten Morgen bin ich ziemlich aufgeregt. Um 08:00 Uhr ein Frühstück, das Rad fertiggemacht und ab ins Tal zum Start. Auf der rasenden Abfahrt erreicht man selbst mit dem Mountainbike spielend 70 km/h. Unten angekommen, noch schnell ein paar Bilder mit Selbstauslöser gemacht und dann...

Ein Klick auf die Stoppuhr, den Blick nach vorne und los. Die ersten paar hundert Meter sind flach, dann kommt der erste Linksknick und es wird steil. Ich habe mir schon Tage vorher eingeschärft, zu Beginn so langsam zu fahren, dass ich denke, so langsam kann man gar nicht fahren. Die Zeit spielt keine Rolle. Ich will oben ankommen.

Jetzt geht es los Jede Kehre hat eine eigene Tafel Steile Passage der Strecke Phantastisches Panorama

Der Tacho zeigt 9 km/h - gut so. Die wildesten Gedanken wabern durch meinen Kopf. Ich spüre jetzt schon meine Beine, mein Herz schlägt schnell. Gut das ich keinen Pulsmesser habe. Den Wert will ich gar nicht wissen. 39 Minuten, ich weiß nicht genau wo ich jetzt gerade bin, aber es müsste ungefähr ein Drittel hinter mit liegen. Ich denke an Armstrong. Der wäre jetzt schon oben angekommen.

Mir tun die Beine weh. Ich trinke etwas Wasser aus meiner Flasche. Ungefähr noch halb voll - gut einteilen. An der Felswand plätschern kleine Rinnsale herunter. Man könnte ja mal anhalten und die Flasche auffüllen. Nein nein, ich halte nicht an - ich habe ein Ziel!

Ich nehme meine Brille ab - wusste gar nicht das Schweiß sooo salzig schmecken kann. Die Augen brennen. Ich denke, es bis hier zu schaffen, das ist schon gut. Nach einer Stunde überlege ich, ich will es schaffen und ich werde es schaffen, ich weiß nur nicht genau wie. Ich trinke etwas, alles tut mir weh, mein Blick flimmert.

Das Ortsschild ist erreicht. Am Ziel und glücklich.

Die Landschaft ändert sich. Kaum noch Bäume, dafür Almen mit Kühen. Ein Fotograf, der seine Bilder verkaufen möchte, ruft allez! allez! Ich habe gerade noch die Kraft für ein Lächeln, während ich an Ihm vorbeifahre. Noch vier Kilometer. Jetzt sehe ich die Hotels von L´Alpe d´ Huez. Immer noch hoch oben - ungefähr 200 Höhenmeter. Ich kann es nicht mehr exakt ausrechnen.

Die letzte Serpentine, die mit der Nummer 1. Jetzt noch wenige hundert Meter. Rechts und links beginnen die Häuser. Das Ziel - Ich drücke die Stoppuhr. 1 Stunde 33 Minuten. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich steige vom Rad, gehen kann ich nicht, eher humpeln. Aber dass ist jetzt egal. Ich bin glücklich.